© Hines Immobilien GmbH/Adrian Beck
© Kollektiv Belwerk
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Architektur
Aktivieren & testenNachhaltig bauenRäumliche Konzepte
Status:abgeschlossen
Zeitraum:2024 (Fertigstellung August 2024, in Betrieb seit September 2024)
Ort:München, Fürstenried West
Auftraggeber:HINES Immobilien GmbH i. A. der Bayerischen Versorgungskammer (Generalübernehmung durch SSR)
Projektteam:Jan Kurz, Leila Unland, Sabrina Witzlau (SSR); Kollektiv Belwerk, Zimmerei Plan B (Umsetzungspartner)
Kollektiv BelwerkLink

DIREKT-RECYCLING: EIN KIOSK ALS PILOT FÜR DIE BAUWENDE

Pavillion aus wiederverwendeten Materialien für Fürstenried West

In nur sechs Wochen entstand in der Siedlung Fürstenried West ein Kiosk aus lokal wiederverwendeten Bauteilen. Er dient als neuer sozialer Treffpunkt im Quartier. Das Pilotprojekt zeigt, wie Direktrecycling und der gezielte Einsatz von Materialien aus der Nachbarschaft ressourcenschonendes und hochwertiges Bauen ermöglichen. Der Kiosk setzt ein Zeichen für eine Kultur des Weiterbauens.

Kiosk als Vorreiter für die Bauwende

Der Kiosk „Zur Fürstin“ steht exemplarisch für Direktrecycling im Bauwesen: 93 Prozent der Materialien stammen aus einem Umkreis von 200 Metern, 85 Prozent aus einem Rückbau nur 150 Meter entfernt.

Die wichtigste Materialquelle war ein Wohnhaus aus den 1970er-Jahren, das einem Neubau weichen musste. Ergänzend kamen Dachflächen, die für Aufstockungen vorbereitet wurden, sowie Fenster aus laufenden Fassadensanierungen. Selbst Bäume, die ein Jahr zuvor für den Bau einer Tiefgarage gefällt wurden, fanden Verwendung. Ein mobiles Sägewerk verarbeitete sie vor Ort zu tragenden Balken. So entstand aus „urbanen Minen“ ein Pavillon, der die Bauwende greifbar macht.

Lageplan: der Kiosk in der Nachbarschaft zwischen laufenden Aufstockungen und in der Nähe der Materialquellen
© Hines Immobilien GmbH/Adrian Beck

Gemeinsames Experiment

Als Generalübernehmerin koordinierten wir Entwurf, Planung und Umsetzung des Kiosks. Nach der Sichtung der recycelten Materialien und einer Begehung der Materialquellen entwickelten wir den Entwurf. Gemeinsam mit dem Kollektiv Belwerk und der Zimmerei Plan B, die sich auf das experimentelle Vorgehen einließen, setzten wir die Werk- und Detailplanung um.

Seit September 2024 betreiben wir den Kiosk mit unserem Stadtentwicklungsteam im Rahmen der sozialen Quartiersarbeit. Inzwischen ist er fest im Alltag des Viertels verankert – ein Ort der Begegnung, eingebettet zwischen Hochbeeten, Nachbarschaftstreff und Mobilitätsstationen.

Materialquellen aus der Nachbarschaft

Bauen mit dem Vorhandenem

Aus den recycelten Bauteilen entstand ein Pavillon mit hoher gestalterischer Qualität. Ehemalige Aluminium-Balkontüren rahmen den Aufenthaltsraum und lassen sich vollständig öffnen. Ihre Türfälze wurden präzise in tragende Eichenstützen eingelassen, die ursprünglichen Scharniere wiederverwendet.

In den Fassadenfeldern finden sich PE-Platten und Aluminiumprofile früherer Fensterbrüstungen. Eine alte Treppenhausbrüstung wurde zur Theke, Attikableche zur Dachdeckung. Die Stützen stehen betonfrei auf Stahlhülsen, die Bauteile sind verschraubt oder lose gefügt. Der Kiosk lässt sich rückstandsfrei zurückbauen. Wiederverwendung und künftige Transformation sind von Anfang an Teil der Konstruktion.

Vorher Nachher: Balkontüren werden zu Öffnungsflügeln der Fassade
Vorher Nachher: Elemente der Absturzsischerung werden zur Fassade
Vorher Nachher: Schranktüren werden zur Beplankung der Innenwände
Vorher Nachher: Attikableche werden zur Dachdeckung

Publikationen

Mehr zum sozialen Kontext des Standorts im Beitrag zum Projekt „Nachbarschaft Fürstenried West". Publikationen und Auszeichnungen zum Kiosk:
- Longlist BYAK Bauen im Bestand 2025
- Architektouren 2025
- Dienstagsreihe Coburg
- Heinze Baukultur

Grundriss mit Materialquellen
Schnitt mit Materialquellen
Für die Innenausstattung kam für die Beplankung mit Seekieferplatten eines der wenigen neuen Materialien zum Einsatz.
Der Kiosk in der Quartierszeitung
Der Kiosk ist eröffnet