Architektur
DenkmalschutzUmbauen & sanieren
Status:laufend
Zeitraum:2024-2026
Ort:München-Solln
Auftraggeber:privat
Leistungsphasen1-7
Projektteam:Jan Kurz, Natalie Muhr, Leila Unland, Matthias Wittmann

ENERGETISCHE DACHSANIERUNG DENKMALGESCHÜTZTE WOHNANLAGE

Schadstofffreie Baustoffe und verbesserte Dämmwerte für ein Baudenkmal der 1970er Jahre

Die denkmalgeschützte Wohnanlage von Helmut Borchert und Sampo Widmann entstand von 1971 bis 1973. Das Ensemble ist malerisch in den alten Baumbestand eingefügt. Die bauzeitlichen Asbestzement–Schindeln werden durch schadstofffreie Faserzement–Schindeln ersetzt, die Material und Erscheinungsbild des Originals fast exakt treffen. Zugleich wird das Dach energetisch saniert.

Zwischen Bäumen gebaut

Die Süddeutsche Zeitung beschrieb die Wohnanlage 1973 als „wundersames Gefüge“ aus spitzen, stumpfen und rechten Winkeln. Die Architekten planten den Bau um den historischen Baumbestand: Von 116 Bäumen blieben 93 erhalten. Bis heute prägt dieser geschützte Baumbestand das Grundstück.
Der dreigeschossige Baukörper gliedert sich in drei Flügel mit 20 unterschiedlich geschnittenen Wohnungen und drei Gewerbeeinheiten. Die Wohnungen bieten besondere Raumformen und Raumfolgen, die sich oft aus dem Grundriss ergeben. Fassade und Dachlandschaft zeigen eine reiche Gliederung und schaffen viele individuelle Außenräume. Großflächige Verglasungen mit farbig abgesetzten Öffnungsflügeln und Brüstungspaneelen prägen das Bild.

Orthogonalfotografie des Bestandsgebäudes
Stark gegliedeter Südwestflügel mit zahlreichen Vor- und Rücksprüngen

Ein Dach am Ende seiner Lebensdauer

Die geschlossenen Fassaden- und Dachflächen sind mit dunklen Asbestzement-Schindeln verkleidet. Das Dach befindet sich in einem schlechten Zustand. Vor allem die Nähe zu den Bäumen hat ihm in den letzten 50 Jahren zugesetzt: Die Witterung hat zu einer starken Vermoosung geführt. Die bauzeitliche Dachdeckung hat das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Einzelne gebrochene Schindeln wurden bereits durch neue Faserzementplatten ersetzt. Dadurch ist stellenweise ein uneinheitliches Erscheinungsbild entstanden. Auch energetisch besteht Handlungsbedarf: Die Zwischensparrendämmung ist nur sechs Zentimeter stark. Bereits ausgetauschte Dachflächenfenster sind undicht. Daher wird das Dach in einem ersten Bauabschnitt energetisch saniert.

Nahe an der Fassade des Südwestflügel stehender Baumbestand
über den Erker am Nordflügel reichender Baum
starke Vermoosung auf den Asbestzement-Schindeln

Neue Deckung, bessere Dämmung

In Abstimmung mit der Denkmalpflege haben wir ein Maßnahmenkonzept zum Umgang mit den historischen Materialien und der bauzeitlichen Gestaltung des Daches entwickelt. Die Asbestzement-Deckung wird vollständig durch eine schadstofffreie Faserzement-Doppeldeckung ersetzt. Das gilt auch für die materialgleichen Kaminverkleidungen.

Der Rückbau der schadstoffbelasteten Materialien erfolgt im Anschluss an eine Beprobung und Analyse der verbauten Baustoffe. Blechanschlüsse, verblechte Dachbereiche und die Dachentwässerung werden materialgleich erneuert. Dünne Holzweichfaserdämmplatten verbessern anstelle der bisherigen Dachschalung den sommerlichen Wärmeschutz. Eine Einblasdämmung in Höhe des Sparrenquerschnitts und eine neue Dampfbremse ersetzen die bisherige Dämmung.

Dachaufsicht des Bestandsgebäudes
stark differenzierte Dachlandschaft mit Erkern, Dachterrassen, Einschnitten und Dachflächenfenstern

Gezielt erneuern, vorausschauend planen

Undichte und energetisch unzureichende Dachflächenfenster werden ersetzt. Einige bereits erneuerte Fenster bleiben erhalten. Die Schrägverglasungen erhalten eine hochwertigere Dreischeibenverglasung, ihre Tragkonstruktion bleibt bestehen.

An Entlüftungsschächten bleibt die Verblechung größtenteils erhalten, Dachanschlüsse sowie Trauf- und Ortgangbereiche werden erneuert. Bei der Materialwahl denken wir den nächsten Schritt mit: An Teilen der Fassade sind dieselben Asbestzement-Schindeln verbaut. Die neue Schindel muss daher auch für eine spätere Fassadensanierung genehmigungsfähig sein.

Dachaufsicht mit Positionen der einzelnen Detailpunkte und Maßnahmen